Leseprobe
Worte eines Freundes
der Anfang des Romans
Jeder Tag nimmt seinen Lauf und es wird von den meisten unter uns akzeptiert, dass ein Tag mit dem Sonnenaufgang beginnt und mit dem Sonnenuntergang endet. Nun gibt es einige unter uns, die schreien hier auf und sagen, dass ein neuer Tag beginnt, wenn es 00:00 Uhr schlägt, und er endet, wenn es 23:59 Uhr ist. Wiederum einige andere unter uns sagen dann, dass auch das nicht stimmt, und versuchen zu erklären, dass das nur irgendwelche Konventionen sind, auf die man sich irgendwann geeinigt hat.
Für den Leser dieses Erfahrungsberichtes wollen wir es einfach machen: Für uns beginnt ein Tag, wenn die Sonne aufgeht, und er endet, wenn die Sonne untergeht. Wir wollen weiterhin festhalten, dass eine Abfolge von sieben Tagen eine Woche abbildet. Nach den meisten Konventionen hat eine solche Abfolge von sieben Tagen, die eine Woche abbildet, feste Namen für diese sieben Tage in eben einer solchen definierten Woche. Montag, Dienstag, Mittwoch, Donnerstag, Freitag, Samstag und Sonntag. Es wird weiterhin allgemein akzeptiert, dass die Woche mit dem Montag beginnt und mit dem Sonntag endet. In manchen Kulturen beginnt sie auch mit dem Sonntag und endet mit dem Samstag. Je nach Auslegung versteht man die Tage Samstag und Sonntag als Wochenende oder die Tage Freitag, Samstag und Sonntag. Der Leser sollte jetzt aufmerksam sein, denn wir brechen ein wenig die Konvention: Der Bericht unseres Freundes F. Wendelin beginnt an einem Freitag. Für den Leser ist das also der Beginn, der Anfang dieser Woche, mit der er sich konfrontiert sieht. Folglich ist auch die nächste Frage berechtigt, die sich nun der eine oder andere Leser sicherlich stellt: Wenn also die Konvention gebrochen wird und die Woche mit dem Freitag beginnt, wie verhält es sich dann mit der Definition eines Tages oder gar der Abfolge der Tage innerhalb einer Woche? Hier darf beruhigt aufgeatmet werden. An der Abfolge der Tage ändert sich nichts. Und allgemein versteht F. Wendelin den Sonnenaufgang auch als Beginn des Tages und Sonnenuntergang als Ende eines ebensolchen.
Doch so wie man nicht jeden Sonnenaufgang sieht, manche Tage etwas bewölkter sind als andere und je nachdem wo man sich auf der Welt befindet, der Sonnenaufgang etwas früher stattfindet als an anderen Teilen der Welt, so sind auch die geschilderten Eindrücke manchmal etwas klarer, manchmal etwas trüber. Manchmal verliert er sich in seinen eigenen Gedanken und in Nichtigkeiten. Manche Tage ziehen sich und andere nicht. Sein Irren, so versteht der Leser es, ist gänzlich menschlich.
Das Verständnis, dass F. Wendelin an seinem Leben etwas ändern möchte, wird grundsätzlich in diesem Bericht abgehandelt. Die meiste Zeit, ist es ihm allerdings nicht bewusst und bleibt dadurch bis zuletzt nur eine Intuition. Eine letzte Vorwarnung sei dann doch gegeben, um die Erwartungshaltung des Lesers richtig zu positionieren. Wer in den nachfolgenden Handlungen Drama, Tragödie und einen epischen Spannungsbogen erhofft, der wird enttäuscht. Dazu bedürfte es eines Kunstgriffes, der die Realität des F. Wendelin verfälschen würde. Seine Eindrücke und Erzählungen, seine Gedankengänge, sein Verständnis der Welt und des Lebens – sie sind gänzlich seine eigenen.
Die Leser, die F. Wendelin kennen, wissen aus erster Hand, dass dieser Bericht den Ereignissen aus seinem Leben größtenteils entsprechen, sofern ihn sein Erinnerungsvermögen nicht an manchen Stellen trübte.
Die Leser, die F. Wendelin nicht kennen, möchten wir nochmals unterteilen und versuchen, möglichst ihre zu erwartende Reaktion zu beschreiben und Verantwortung dafür zu übernehmen. Zum einen gäbe es den ersten Typen Leser, der F. Wendelin nicht kennt, aber grübelnde, sich treibenlassende Charaktere wie ihn, die er liebt, oftmals nicht einschätzen kann und welchem er stets alles Gute wünscht. Diesem Typen Leser wünschen wir weiterführend viel Spaß beim Lesen. Den zweiten Typen Leser, der F. Wendelin ebenso wenig kennt, aber Charaktere wie ihn nicht mag oder gar keinen Charakter wie ihn kennt und es auch nicht wollen möchte; diesen letzten Typen Leser möchten wir für die gestohlene Zeit um Vergebung bitten. FREITAG
FREITAG
An diesem Wochenende sollte eigentlich nicht viel passieren. Für Samstag war die Geburtstagsfeier eines Freundes geplant, den ich wiederum über einen anderen Freund aus meiner Studienzeit kennengelernt hatte. Ich war damals auf der Suche nach Leuten gewesen, mit denen ich etwas Bier trinken konnte, damals, als ich nach Mexiko-Stadt zog. Das heißt damals, als ich beruflich das erste Mal für einige Wochen nach Mexiko reisen musste. Ich pendelte berufsbedingt von einem in das andere Land und blieb nie länger als einen Monat am gleichen Ort. Das war mein Leben. Ich machte das inzwischen über 10 Jahre lang.